Die Kanutour in Schweden geht weiter - es wird tough!
Nachdem wir am Vorabend lange die eindrucksvolle schwedische Natur genossen haben stehen wir um 8.45 Uhr auf. Boris ist als Erster aus dem Zelt gekrochen und verkündet mir gleich mal, dass wir heute Schlechtwetter haben: “Es hat schon geregnet, aber das Schnarchen war heute Nacht besser”. Trotz allem frühstücken wir gemütlich, kochen Kaffe (wie jeden Tag) und beginnen langsam abzubauen. Um 12.30 Uhr fahren wir wieder los. Jede Menge Prachttaucher und Enten begegen uns in dieser Gegend.
Eine halbe Stunde später erreichen wir die Schleuse. Der Schleusenwärter erklärt uns in Englisch, dass er jetzt Mittagessen geht und er wieder in einer Stunde zurück sein wird. Kaum haben wir uns auf eine kleine Mittagsjause im Kanu im Schleusenkanal eingestellt, spricht er uns wieder von oben herunter an: “Lunch was not ready, we can do it now”. Die Schleusenkarte kostet 90 SEK (30,- pro Schleuse) und dann beginnt das Ablassen auch schon. Ein interessantes Erlebnis und 30 Minuten hinter uns fahren wir aus der Schleuse in den Lelång.
Wir glauben uns in ein anderes Land oder zumindest an einen anderen Tag versetzt. Das Wetter war nicht besonders gut, doch was uns hier erwartet ist eine deutliche Steigerung davon. Dichter Nebel, plötzlicher heftiger Regen und viel, viel Wind stimmen uns ein, auf das was noch auf uns zukommt.
Wir rudern mit aller Kraft bis zu dem Platz Kallarebunäset, den wir heute Morgen auf der Karte ausgesucht haben. Erstmalig wollen wir einen offiziellen Platz nutzen, doch nur wenige Minuten bevor wir diese Stelle erreichen, müssen wir beobachten, wie ein anderes Team dort an Land geht. Da wir uns als Ziel gesetzt haben die Tour ohne Zivilisation zu überstehen müssen wir weiter.
Laut Karte sind es noch geschätzte 20 Minuten Paddeln bis Husnäsudoen, doch dort angekommen müssen wir ernüchtert und enttäuscht feststellen, dass der Platz mit der Nummer 69 aufgelassen wurde. Frustriert und verärgert ziehen wir uns am Ufer komplett um, da wir bereits bis auf die Knochen durchnässt sind. Bei nicht viel mehr als 10° C stellt das schon eine ordentliche Herausforderung dar.
Wir haben ein Problem. Es ist jetzt ungefähr 15.00 Uhr und keinen Lagerplatz. Wir sind nass und auch unsere Ausrüstung wird zunehmends feuchter. Wenn wir den nächsten offiziellen Lagerplatz erreichen wollen, müssen wir die bisher anstrengendste Etappe meistern.
Mit etwas Ärger im Bauch, über das Wetter und unser Pech beim letzten Lager, paddeln wir stundenlang in Richtung Süden. Wir rasten etwas auf der Insel Brätnäsön, die etwa auf Hälfte der Strecke zu unserem neu gesteckten Tagesziel Verkenäset liegt.
Mittlerweile paddeln wir automatisch, wie in Trance. Es wird bereits Abend als wir nahe des Lagers vom Wasser aus Rauch aus dem Wald aufsteigen sehen. Es ist uns schnell klar, dass wir nicht die Ersten hier sind und dass bereits jemand die Hütte belegt hat. Besonders Boris ist stinksauer und flucht richtig böse herum. Ich nehme es eher locker und scherze sogar darüber, obwohl natürlich auch ich innerlich koche. Ich bin nur einfach viel zu müde und erschöpft um mich auch noch zu ärgern.
5 Minuten schaffen wir noch, dann geht’s nur mehr ran an das Ufer und ausladen. Die üblichen Routine-Tätigkeiten (Zelt, Feuer, Kochen,…) dann beginnen wir wieder mit dem Brotbacken. Seit gestern verfeinern wir einen Teil unserer Brote mit Speck - Schmeckt herrlich und spendet notwendige Kraft.
Obwohl es nach der abentlichen Regenpause in der Nacht wieder zu tropfen begonnen hat können wir einigermassen gut schlafen und wachen erst gegen 09.45 Uhr auf. Ich kann mich nicht entscheiden, ob mich mehr mein husten oder die auf das Zeltdach prasselnden Tropfen nerven. Hilft nichts. Raus aus dem Zelt, Feuer machen und frühstücken. Wir wollen beide trotz ungünstiger Wetterbedingungen auch heute weiterfahren und versuchen so viel Strecke wie möglich zu schaffen. In der Nacht habe ich ein paar neue schmerzende Stellen an meinem Körper entdeckt. Hauptsächlich Druckstellen vom Gewichtverlagern beim Kanu-Segeln.
Es wird 10.45 Uhr und wir sind wieder im Zelt. Der Regen ist stärker geworden. Ich schreibe Tagebuch, experimentiere mit meiner Kamera herum. Zwischendurch ein kleines Abenteuer, dass in dem Buch “How to shit in the woods” sicher gut Platz gefunden hätte.
Wir sitzen fest. Wieder beinahe 2 Stunden vergangen und das Wetter wird nicht besser. Wir spielen eine Weile Karten aber große Freude mag sich auch hier nicht einstellen. Bei so viel Zeit und ohne sinnvolle Beschäftigung kann ich mich endlich auf die Suche nach neuen “Gesundheitsproblemen” machen. Wegen der rauhen Lippen (Wind) habe ich mittlerweile eine kleine Fieberblase bekommen. Essensrythmus gibt es keinen mehr. Obwohl es Mittag ist mag sich kein Hungergefühl einstellen.
Um 13.30 Uhr erfrage ich mit dem Handy in Österreich den Wetterbericht für unsere Gegend. Niederschmetternd kommt die Information, dass wir uns keine Besserung erwarten dürfen. Das ändert jetzt alle unsere Pläne. Obwohl es noch immer in Strömen regnet brechen wir um 14.30 Uhr auf um möglichst noch heute irgendwo an Land zu gehen und unsere Tour zu beenden. Ausgelaugt von den letzten Schlechtwettertagen kämpfen wir uns bei halbmeter hohen Wellen und massivem Gegenwind bis 16.30 Uhr nach Torrskog durch. Dort steuern wir einen Badestrand an und gehen an Land.
Viele Dinge gehen uns in diesen letzten Minuten mit Blick auf den Lelång durch den Kopf. Wir realisieren erst viel später das eigentliche Ende der Tour, denn zuerst steht noch eine abgeänderte Heimreise bevor.
Ich rufe Bertil an und erkundige mich, ob er uns denn schon heute abholen kann. Wenn nicht wären wir im Übrigen schön aufgeschmissen. Er willigt (etwas zögerlich) ein und verspricht in ca. 1 Stunde zu kommen. Wir holen das Boot und die Ausrüstung aus dem Wasser und bereiten alles für die Verladung auf und in das Auto vor. Dann ziehen wir uns wieder mal um, denn auch heute haben wir es geschafft unsere Kleidung trotz Regenschutz komplett zu durchnässen. Ich schreibe in mein Tagebuch: “Ich stelle schon jetzt fest, Schweden kann traumhaft schön, aber auch albtraumhaft unwirtlich sein.”
Unser “Taxi” Bertil kommt pünktlich mit seinem Volvo und wir verladen alles in Blitztempo. Während der Fahrt unterhalte ich mich mit ihm (ausschließlich in Englisch) und erfahre zum Beispiel wie das Sozialversicherungsprinzip in Schweden funktioniert, über das HickHack zwischen Norwegern und Schweden und vieles mehr. Im Gegenzug erzähle ich ihm von den Berghütten und Winter-Schigebieten in den Alpen, von Kaiserschmarrn und Schiwasser.
Als das Thema auf den aufgelassenen Lagerplatz Nr. 69 kommt erzählt er uns, dass vor ein paar Jahren ein Deutscher den Grund dort gekauft hat und jedes Jahr ca. 3 Wochen Urlaub macht. Dieser neue Grundbesitzer hat sofort den Lagerplatz abgeschafft. Wir finden das nicht in Ordnung, denn als “Einwanderer” sollte man sich den ortsüblichen Sitten (Jedermannsrecht, usw.) anpassen.
Eine Stunde dauert die Fahrt, dann sind wir wieder in Ed, dem Ausgangspunkt unserer Tour.
Die anschließende Heimreise zurück nach Österreich wäre eine Geschichte für sich wert, doch ich möchte sie nur kurzskizzieren.
Wir fahren noch am gleichen Abend von Ed nach Göteborg. Immer noch mit leerem Magen kommen wir um 21.15 Uhr dort an und fahren direkt zu Stena Line um unser eigentliches Rückticket umzubuchen. Leider bietet sich keine wirkliche Alternative, also greifen wir zur nächst besten Lösung. Um 23.55 Uhr verlässt eine Fähre Schweden und fährt bis 03.15 Uhr nach Frederikshavn - Dänemark. Die nehmen wir. Vorher noch schnell ein Abendessen organisiert, was gar nicht so einfach ist am Midsommernachtstag. An diesem Feiertag haben Sogar Lokale wie McDonalds oder BurgerKing geschlossen. Auf der kurzen Fährüberfahrt können wir rund eine Stunde schlafen.
Von Dänemark fahren wir schließlich über Deutschland, dann wegen einer falschen Abzweigung über Polen, über Tschechien bis Österreich. Alle 2 bis 3 Stunden machen wir einen Fahrerwechsel und halten uns mit viel Trinken und lauter Musik fit. Erst am frühen Abend, sowas um 19.00 Uhr treffen wir zu Hause ein. Nach dieser fast 36 Stunden ohne Schlaf und der vielen Anstrengung fällt die Begrüßung meiner Familie sehr kurz aus. Ich will nur mehr duschen und ins Bett. Noch während ich am Einschlafen bin quälen mich Halluzinationen dass ich das Boot ausräumen muss und dergleichen.
Erst 3 Tage später bin ich wieder halbwegs fit.
Den Husten habe ich erst nach 1 Monat losbekommen.
2 Monate später waren Boris und ich uns einig: Wir würden es wieder machen!
Wenn ihr Fragen zu dem Bericht habt könnt ihr mich gerne kontaktieren und wenn euch der Bericht gefallen hat hinterlasst bitte etwas weiter unten einen Kommentar und/oder Eintrag im Gästebuch !!!
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gewaesserkarte_dalslandskanal.pdf[Größe 237KB] |
| Gewässerkarte Region Dalslandskanal in Schwedenfür Angler u. Kanuwanderer | |
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tourvorschlag_dalsland.pdf[Größe 283KB] |
| Tourvorschalg für Kanuwanderungauf den Seeen Stora Le, Foxen u. Lelång | |
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Datum: Mittwoch, 27. Juni 2007 9:04
Themengebiet: Unterwegs in Europa Trackback: Trackback-URL
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