Hochgolling über den klassischen Weg
Der Hochgolling ist mit seinen 2863 Metern der höchste Berg der Niederen Tauern und wurde am 28. August 1817 von Erzherzog Johann erstbestiegen. Schon als Kind habe ich bei den alljährlichen Hüttenwanderungen mit meinen Eltern zur Gollinghütte die “großen Bergsteiger” bewundert, die dort weiter hochgestiegen sind.
Die konditionell reibungslosen, fast schon spielerischen Wanderungen in den letzten Tagen des August waren für mein Vorhaben - als Erwachsener den Hochgolling ebenfalls zu bezwingen - das letzte fehlende Puzzleteil.
So geht es für mich lediglich um Details zur Besteigung, jedoch nicht mehr um die grundsätzliche Entscheidung, ob, oder ob ich mich nicht daran wage. Eines ist klar, die bestmöglichen wettermäßigen Bedingungen sind Voraussetzung. Nicht zuletzt weil ich von Einheimischen die Vorinformation erhalten habe, dass der Gipfel sehr häufig von Wolken verhüllt ist und das für meine fotografischen Wünsche nicht gerade günstig wäre, liegt mir viel an einer wetterorientierten Planung.
Ich entscheide mich dafür, schon am Freitag, dem 24.08.2007 um ca 16.00 Uhr zur Gollinghütte aufzusteigen. So kann ich mir am kommenden Tag erstens 600 Höhenmeter, zweitens die dafür benötigten 1,5 Std. und drittens natürlich die Kraft für alles Bevorstehende sparen.
Bei der telefonischen Lagerreservierung für die Übernachtung auf der Gollinghütte (während eines Spazierganges am Panoramaweg der Planei , mit Blick zum Hochgolling) erfahre ich, dass nur mehr 1 Lagerplatz frei wäre. Was solls, denke ich, Gruppenkuscheln für mein “höheres Ziel” liegt innerhalb meiner Schmerzgrenze.
Mein Weg führt mich also von der unteren Gfölleralm, Parkplatz Riesachwasserfall (1079m) über einen forststraßenähnlichen Weg durch die Talsohle ins Steinriesental hinein. Schon bald ist die Gollinghütte (1651m) in Sichtweite. Nach etwa 3/4 des Weges kommt man zu einem Steig, der über wenige Kehren rasch - an einem kleinen Wasserfall vorbei - zur Hütte führt.
Leider ist der Himmel inzwischen eingetrübt und aus den erhofften Sonnenuntergang-Fotos wird nichts. So bestelle ich beim Hüttenwirt ein Käsebrot und ein Schiwasser und lese noch eine Weile im Gastraum der Hütte. Um 21.30 Uhr krieche ich in meinen Schlafsack und schlafe bis 6.30 durch.
Schnell ziehe ich mich an und schon um 7.00 Uhr verlasse ich die Hütte. Ich wandere über den schmalen, ebenen Pfad in Richtung Talabschluß. Der Gollingwinkel, das größte Natur-Amphitheater der Welt, mit der düsteren, über 1000 Meter hochragenden Nordostwand des Hochgolling ist immer wieder imposant anzusehen. In der Hütte habe ich auf einem Schild gelesen, dass diese Wand bereits 2mal direkt geklettert wurde. Beeindruckend!
Von hier aus gehts weiter über steile Kehren in der Geröll- und Schutthalde bis ich nach etwa 1,5 Std. die Gollingscharte erreiche. Einen Größenvergleich sieht man auf dem Foto mit der Nordostwand im Hintergrund. Man kann sich nun deutlich vorstellen, um welche Dimensionen es sich hier handelt. Da sich während dem Aufstieg zur Gollingscharte auch die Sonne zeigt, komme ich ganz ordentlich ins Schwitzen.
Von diesem Punkt aus geht es nun auf die “Rückseite”, die Südwestflanke des Berges. Eine Zeit lang quert man diese mäßig ansteigend bis es über einige Kehren steil höher geht. Es sind zwar immer wieder einige Markierungen zu finden, aber nach einem Pfad sucht man hier vergebens.
Als ich zu der Stelle komme, wo man zwischen Nordwestgrat und “historischem Weg” entscheiden kann schwitze ich schon aus allen Poren und puste wie eine Dampflock. Daher gehe ich dann doch sicherheitshalber den klassischen Weg weiter. Aber auch hier kommt man bald in felsigeres Gelände mit einigen sogenannten Steilrippen und -spornen . Auf dieser Höhe wird man bereits mit einer prächtigen Aussicht (gutes Wetter vorausgesetzt) belohnt.
Eine Schlüsselstelle erreiche ich kurz später. Hier muss ich über eine Wandstufe I+, über die vorhandenen Eisenbügel höherklettern. Jetzt ist es nicht mehr weit. Noch einige Kehren und schon rückt der Gipfel in greifbare Nähe.
Um Punkt 11.00 Uhr nach exakt 4 Stunden Gehzeit stehe ich auf dem Gipfel des Hochgolling. 1212 Höhenmeter Bergsteigen liegen hinter und eine Fernsicht, sie sich gewaschen hat vor mir. An die 1784 Meter Abstieg, die mir noch bevorstehen denke ich zum Glück noch nicht.
Nach einer 3/4 Stunde Rast mit Cabanossi und Brot steige ich in 2 Stunden bis zur Gollinghütte und von dort weiter zum Parkplatz ab. Um Punkt 16.00 Uhr holt mich meine Frau ab und ich freue mich riesig auf die nahende Dusche. Am Abend gibts dann noch Kasnock’n und ein zünftiges Bier als Stärkung.
Das nächste Mal werde ich wohl den Nordwestgrad versuchen. Abschließend betrachtet kann ich feststellen, dass der Abstieg meinen Muskeln wohl länger in Erinnerung geblieben ist als der Aufstieg. Treppen hinaufsteigen konnte ich schon 2 Tage später wieder, abwärts ist es noch 5 Tage später etwas schmerzhaft…
Datum: Mittwoch, 29. August 2007 12:47
Themengebiet: Unterwegs in Österreich Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Ähnliche Beiträge auf dieser Webseite:
Frage, Kritik, Meinung?
4 Kommentare
Kommentar abgeben
verlinken möchtest, so verwende bitte einfach den nachstehenden HTML-Code.





Freitag, 31. August 2007 11:12
Bist Du sicher, daß Du nicht weitschichtig mit Luis Trenker verwandt bist ???? Wenn das so weitergeht, gibt´s demnächst Bilder vom K 2 oder Nanga Parbat !!!
Schöner Bericht !
LG A * P
Samstag, 1. September 2007 0:03
Und nochmal: sehr gute gemacht. Vielleicht kommen wir auch mal zu dieser Tour.
lg
Alex
Sonntag, 2. September 2007 11:34
Hi,
gratuliere zur Besteigung
lg
Sonntag, 18. Juli 2010 12:16
Sehr schöner übersichtlicher Bericht mit Superfotos. Bin bisher nur bis zur Gollingscharte gekommen, werde am 25.8.2010 bei passendem Wetter den Gipfel angehen.
Beste Grüße, kw