New-Society-People Projekt in Nepal
Vor wenigen Wochen durfte ich einem Vortrag von Lukas Schober über seinen etwa 6-monatigen Aufenthalt in Nepal beiwohnen. Die Art und Weise des Vortrages war erfrischend und das Thema zweifelsfrei anhörenswert. Ich ließ die Eindrücke des Abends einige Tage auf mich wirken und entschied mich dann Lukas anzurufen um ihn zu fragen, ob er denn mit einem Interview für die Webseite einverstanden wäre. Er war zu diesem Zeitpunkt schon wieder unterwegs. Schon nach einer kurzen Erklärung meiner Idee willigte er ein und wir vereinbarten ein Treffen nach seiner Rückkehr.
An dieser Stelle der Hinweis auf das Benefizfest “New Society People” im WUK-Projektraum am 19. Okt. 07 (Wien, Währigerstraße 59-, ab 18h, Präsentation des Projekts, Foto-Vortrag, Live-Acts, Essen-Trinken-Reden-Hören)
Franz: Hallo Lukas, ich freue mich, dass du mir für ein Interview zur Verfügung stehst. Meine Webseitenbesucher möchten sicher etwas zur Person des “Weinviertlers in Nepal” wissen bevor wir auf das Projekt zu sprechen kommen.
Lukas: Ich studiere Sozialarbeit im 7.Semester und werde dieses Jahr meine Diplomarbeit verfassen, mit dem Thema „Gemeinwesenarbeit in Nepal“. Im Zuge meines Berufspraktikums verbrachte ich zwischen September 2006 und März 2007 ein halbes Jahr in der NGO-„New Society People“ in Kiranticchap (Dolkha, Nepal).
Franz: Wie kam es zu dieser, doch etwas aussergewöhnlichen Reise?
Lukas: Während der Vorbereitungen für das Praktikum lernte ich die Leiterin des österreichischen Teams des Vereins „New Society People“ Fr. DSA Nicky-Kariana Naglstrasser kennen und zufällig flogen wir sogar gemeinsam nach Nepal. Schon im Flugzeug sprachen wir ausführlich über die aktuelle Lage des Projekts und ich erfuhr, dass dort eine Erweiterung des Gebäudes notwendig ist, sowie ein Frauen-Alphabetisierungsprogramm gestartet werden soll.
Franz: Was waren deine ersten Erlebnisse in Nepal?
Lukas: In Nepal angekommen trafen wir Nakul Kunwar, der das New-Society-People Projekt in Nepal leitet und koordiniert. Als Nicky-Kariana das Land wieder verließ fuhren Nakul und ich ins Dorf Kiranticchap, um die ersten Notwendigkeiten abzuklären, bzw. um das Dorf und seine Bewohner kennen zu lernen.
Franz: Wie ging es für dich weiter? Wann hat die eigentliche Arbeit für dich begonnen?
Lukas: Am 3. November kamen wir zurück nach Kathmandu, um eine weitere Praktikantin abzuholen, die auch in unserem Projekt arbeiten wollte. Danach fuhren wir wieder ins Dorf, um sogleich den Englisch und Mathematik Unterricht in der Vorschule zu übernehmen und so die Lehrerinnen zu entlasten. Weiters boten wir für die Jugendlichen des Dorfes einen Englisch-Grammatik-Kurs an.
Franz: Und dann kam die große Spendenaktion in der Heimat…
Lukas: Ja, meine Eltern konnten von den Bekannten aus der Gegend Spenden in Höhe von 1.600 Euro lukrieren, was die Durchführung der Schulerweiterung ermöglichte.
Nun gibt es zwei Schulräume, worin während des Tages die Kinder unterrichtet werden. Abends gibt es Unterricht für die Frauen in Nepali, Schreiben und Lesen sowie in Mathematik.
Franz: Was hat sich durch die Erweiterung sonst noch verbessert?
Lukas: Alle Arbeit mit den Kindern scheint nun leichter. Das Mittagessen für die Kinder wird nicht mehr wie früher auf dem Vorplatz der Schule serviert, sondern auf dem geräumigen Balkon im ersten Stock. Bis jetzt wurde das Essen immer von einer anderen Familie zubereitet und gebracht, doch nun sollen die Eltern nur Reis und etwas Gemüse bringen, damit die angestellte Köchin das Mittagessen zubereiten kann und die Kinder auch wirklich jeden Tag eine vollständige Mahlzeit bekommen. Außerdem besteht nun ausreichend Platz für den Unterricht der Kinder und das Frauenprojekt.
Franz: Wie erging es dir persönlich in dieser Zeit und welche Gedanken und Gefühle hattest du?
Lukas: Während all der Zeit im Dorf war ich glücklich und zufrieden mit dem was zu tun war und was wir an Erfolgen verzeichneten. Durch die lange Zeit die ich im Dorf verbrachte war eine sehr nahe Erfahrung mit den Bewohnern möglich. Am Beginn galt ich als Tourist und war immer auf die Probe gestellt. Als ich dann die Kinder des Dorfes in der Schule unterrichtete und am Nachmittag betreute, gewann ich schon mehr an Akzeptanz. Doch den Respekt zu bekommen ist nur durch die gemeinsame Bautätigkeit möglich gewesen. Als die Männer sahen, dass ich auch arbeiten konnte, öffneten sie mir ihr Herz und meine Tätigkeit wurde mehr und mehr zur Sozialarbeit.
Franz: Mir ist bei deinem Vortrag aufgefallen, dass dir die Gender-Thematik offensichtlich ein besonderes Anliegen ist. Was ist dir am Zusammenleben zwischen Frauen und Männern besonders aufgefallen?
Lukas: In asiatischen Ländern, besonders in Nepal ist die Stellung der Frau um vieles schlechter als in Europa. Vor 1980 wurden Mädchen nicht in die Schule geschickt, denn wenn Eltern das Geld hatten, ihren Kindern eine Ausbildung zu finanzieren, wurden die Jungen bevorzugt.
Weiters ist es nicht üblich, dass Frauen Besitz haben, dass heißt wenn einer Frau der Mann stirbt geht das Familienvermögen wie die Kinder, das Land und das Haus nicht auf den Namen der Frau über, sondern auf den ältesten Sohn oder den Schwager des Mannes. Dies hat zur Folge, dass die Existenz der Frau dadurch sehr bedroht wird.
Das Haus ist vergleichbar mit einer Gemeinwesen-Einrichtung. Die Räume stehen hauptsächlich Kindern und Frauen zur Verfügung, doch kamen auch regelmäßig Männer in das Haus, vorwiegend während unserer Bauarbeiten. Vermutlich verbringen sie nun die Feierabende wieder im Teehaus.
Ich denke dieses Haus sollte ohnehin abends den Frauen vorbehalten sein, um sich auszutauschen. Denn bis jetzt gab es nichts vergleichbares, wo täglich alle Frauen miteinander vernetzt wurden.
Die Männer trinken zuviel und bereits morgens, doch als Problematik fällt es ihnen nicht auf. Es ist sogar gesellschaftlich üblich, dass alle Männer regelmäßig trinken, was nur ihre Frauen stört. Umgekehrt ist es der Frau nicht erlaubt Alkohol oder Rauch zu konsumieren, zumindest nicht in Anwesenheit eines Mannes.
Insbesondere sind es die Frauen, die die meiste Arbeit am Feld verrichten und deshalb auch früher erkranken als die Männer. Die durchschnittliche Frauensterblichkeit ist um ein Jahr niedriger als die des Mannes, in allen anderen Ländern sterben Männer früher, selbst in Indien.
Franz: Wenn du jetzt an deine Zeit in Nepal zurückdenkst, welche Erfahrungen und welche Erinnerungen hast du mitgenommen?
Lukas: Die Zeit, die ich in Nepal verbrachte, hat mich persönlich um vieles weitergebracht und auch den Verein um vieles bereichert. Ich weiß nicht wie viele Stunden ich im Projekt tätig war, denn zwischen Aufstehen und Schlafengehen war nie Ruhe im Projekt. Was einerseits für den Erfolg der sozialen Einrichtung sehr gut ist, doch andererseits mir kaum Möglichkeit zur Abgrenzung ermöglichte.
Viele Veränderungen sind passiert, sie wurden von Nakul und mir angeleitet, doch die meiste Arbeit beim Hausbau haben die Männer aus dem Dorf geleistet. Gleichwie die Frauen für ihr Projekt die vorantreibende Kraft waren, es wäre ohne das Engagement der angestellten Lehrerinnen nicht möglich gewesen irgendetwas zu schaffen.
So war es nur durch die Unterstützung der Dorfgemeinschaft und durch das Wohlwollen der Dorfältesten möglich, unsere Ideen zu verwirklichen. Und nicht zuletzt war die Beratung und Betreuung durch das österreichische Projektteam sehr förderlich für den Erfolg.
Franz: Wenn jemand diesen Bericht liest - und das werden hoffentlich viele Leute sein - wie kann man dieses Projekt unterstützen und wo bekommt man weiterführende Informationen?
Lukas: Der Verein „New Society People“ ist im Jahr 2000 in einem entlegenen Bergdorf Nepals, namens Kiranticchap (Dolkha) gegründet worden. Im Angebot der Einrichtung gibt es einen Kindergarten, der die Kinder bis ins Vorschulalter begleitet und Unterricht in Nepali und Mathematik für die Frauen bietet.
Es gibt auch eine eigene Webseite und dort werden alle Fragen rund um das Projekt und zu Spendenmöglichkeiten beantwortet: New Society People
Franz: Ich möchte dir für deinen Bericht und die Einblicke in das Nepal-Projekt danken und wünsche dir und dem Verein viel Erfolg bei allen weiteren Projekten!
Lukas: Danke für dein Engagement.
Datum: Montag, 17. September 2007 9:13
Themengebiet: Vorträge u. Events Trackback: Trackback-URL
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Ein Kommentar
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Dienstag, 18. September 2007 19:50
voll cool was man aus 1600 euro in manchen ländern, gsd, alles machen kann. bin begeistert. den österreichern tats sicher nicht weh und die kinder und frauen dort haben es jezt sicher schöner.
toller bericht, hat mir gut gefallen.