Herzlich Willkommen!

Bitte klicken Sie hier um auf die neue Webseite zu gelangen!

Herzlichst Ihr



Habe ich den Everest versäumt?

Teilen

Diese Frage stelle ich mir, stellvertretend für meine und alle kommenden Generationen, in den letzten Tagen immer öfter. Der Mt. Everest als Metapher für die Frage “Gibt es noch Abenteuer, Unerforschtes, Unentdecktes und Unversuchtes?”.

Everest, DmaxDiese Frage zu stellen und in Folge etwas tiefgründiger zu betrachten war Resulatat einer Diskussion zweier Generationen zu der von Discovery produzierten Dokumentarserie „Everest – Höllentrip in eisige Höhen “. Die 6 Teile laufen derzeit auf DMAX, einem Free-TV Sender der Discovery Gruppe.

Ich habe schon Wochen vor dem eigentlichen Beginn der Ausstrahlung eine Programmankündigung gesehen und sofort als Plichttermin vorgemerkt.

Nun stelle ich aber fest, dass mich die Dokumentation zunehmends in meiner Abenteuerlust verunsichert. Ich bin aufgewachsen mit der ORF Sendereihe “Land der Berge” und erinnere mich sogar noch an die Titelmusik. (Anm: Während der ORF diese Sendung eingestellt hat und sein Publikum statt dessen mit Reality-Soaps der Marke „Expedition Österreich“ langweilt, hat sich die Zeitschrift „Land der Berge“ inzwischen zu dem österreichischen Outdoor-Magazin schlechthin entwickelt.)

Die Sendung hatte etwas Uriges, Typisches an sich und brachte u.a. Reinhold Messner (seine fesselnde Erzählweise zog mich sofort in seinen Bann und machte mich schon damals nachhaltig zu einem Bewunderer) in die Wohnzimmer der Österreicher.

Stellt man die beiden Formate “Everest (DMAX)” und “Land der Berge (ORF)” einander gegenüber, so fällt es nicht schwer, verschiedenste Änderungen festzustellen. Kein Zweifel, es sind einige Jahre vorbei gegangen und Anpassungen an die heutige Zeit eine ausser Frage gestellte Notwendigkeit. Für viele Berg-Interessierte wird jedoch hier bereits ein Schritt zu viel getan. Von der effekt-betonten Kameraführung über die Hintergrundmusik bis zu überdetaillierten Darstellungen empfindet so mancher eine Verletzung der Ehre des Berges:

  • “Wo ist die moralische Grenze?”
  • “Wie weit muss ich gehen?”
  • “Muss ich alles bezwingen, mir unterwerfen?”

Zugegeben, auch mich bringen derartige Fragen zum Grübeln, doch mein persönlicher wunder Punkt liegt an einer anderen Stelle. Es handelt sich um eine Gratwanderung zwischen Begeisterung und Erschrecken. Einerseits die Faszination von Bildern und Berichten über Orte, die schon seit unserer Kindheit etwas mystisches ausstrahlen und eine Sehnsucht nach Abenteuer wecken. Und dann ist da die brutale Wahrheit, wie entmystifiziert diese Orte mittlerweile sind und die traurige Gewissheit, dass vom Abenteuer im ursprünglichen Sinne nichts mehr übrig ist.

Gerade die “Everest”-Produktion zeigt unübersehbar, welcher Kommerzialisierung die Bergsteigerei in der heutigen Zeit unterlegen ist. Kein Vergleich mehr zu den einstigen Erst- und Folgebesteigungen. Unzählige Teams transportieren hunderte Tonnen Expeditionsausrüstung zum und auf den Berg. Es werden Fixseile montiert und, selbst wenn unter größter Anstrengung, müssen sich die Bergsteiger nur daran hochziehen. Bei der Besteigung selbst kommt es dann noch zu Gedränge und Stau.

Reinhold MessnerUnd erst da wird einem klar, was Messner auf seinen Vorträgen regelmäßig anspricht und was für ihn nebst des natürlichen Alterns auch ein Beweggrund zur Beendigung der Bergsteigerei war.

Dr. Klaus Dierks schreibt über Messner: Seit Tenzing Norgay und Edmund Hillary haben weitaus mehr als hundert Bergsteiger und Bergsteigerinnen den Gipfel der Welt erreicht, die meisten im aufwendigen Belagerungsstil und mit Sauerstoff. Messner ragt weit aus diesem exklusivsten Klub der Welt heraus. Sein Alleingang auf den Everest im August 1980 hat alle weiteren Mammutexpeditionen ad absurdum geführt.

Und leider geht es nicht nur den Bergsteigern so. Kaum ein Abenteuer, das nicht schon touristisch aufgeschlossen wurde und vom Kapitalismus besessen ist. So wird der Mensch vor die Wahl gestellt, sich immer wieder neuen Extremen auszusetzen, sich der modernen Welt zu fügen und damit selbst zu belügen, oder sich im Verzicht zu üben. Irgendwann ist möglicherweise der Punkt erreicht, wo es keine Wahl mehr gibt und wir zum Verzicht gezwungen sind. Bis zu diesem Zeitpunkt jedoch…


Datum: Dienstag, 6. November 2007 21:00
Themengebiet: Allgemeines u. News Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0


Ähnliche Beiträge auf dieser Webseite:



Frage, Kritik, Meinung?

Ein Kommentar

  1. 1

    Auch ich habe mir den Film auf DVD angesehen, und muss zugeben, dass ich bis zum Schluss mitfieberte. Sicher war es von Discovery Channel so gewollt!
    Trotzdem, der Berg strahlt noch immer eine gewisse Fasziation und Mystik aus. Es gibt ja auch Bergsteiger die den Mt. Everest nicht auf Anhieb bezwingen und weiterhin von diesem Erlebnis träumen und dadurch mehrere Versuche starten.
    Das negative an der ganzen Geschichte ist, der Riesenmaterialaufwand und den dadurch folgenden Müllberg, sowie die nicht fachgerechte Vorbereitung einzelner Teams.
    Den Preis zahlen viele mit Erfrierungen und/oder mit dem Tod. Was doch der materielle Wert für den Aufstieg ist, möchte ich gar nicht erfahren.
    Es gibt immer mehr solcher Möchtegern-Bergsteiger, die sich den fast sicheren Gipfelsturm nur erkaufen, und noch nie ein anderes Bergmassiv aus der Nähe gesehen haben.

Kommentar abgeben

Comment Spam Protection by WP-SpamFree



Inhalte und Fotos sind urheberrechtlich geschützt und unterliegen dem Copyright von Franz Obendorfer © 2007-2010.