Ausflüge in den Fulufjället Nationalpark
Nach einer kurzen Nacht wollen wir heute, am Donnerstag den 3.7.2008, zum Njupeskär, Schwedens größten Wasserfall wandern. Er ist mit 93 Metern Höhe, und davon 70 Metern freiem Fall, eine der großen Sehenswürdigkeiten des Fulufjället Nationalparkes. Nach etwa einer Stunde Autofahrt erreichen wir den Eingang zum Wasserfall. Dort ist ein Besucherzentrum mit der angeschlossenen Ausstellung Naturum, sowie ein Restaurant und WC’s errichtet. Auf den Infotafeln beim Eingang (und auch auf der folgenden Strecke) erfährt man, dass seit mehr als 150 Jahren Besucher zum Wasserfall pilgern und dass dieser im Winter, wenn er gefroren ist, zum Eisklettern genutzt wird.
Wir wandern auf einem schmalen, präparierten Weg vorbei an meterhohen Stauden von Gelben Eisenhut, 35-40 Meter hohen Fichten, 400-500 Jahre alten Kiefern und viel Moos. Wie man sich vorstellen kann duftet es herrlich und bei blauem Himmel und strahlender Sonne haben wir heute wohl den wettermäßig schönsten Tag unserer Skandinavien-Woche.
Nach einiger Zeit erhaschen wir bereits den ersten Blick auf den Wasserfall. Wir kommen dann rasch näher und stehen schließlich vor einem imposanten Naturschauspiel. Die Luft ist kühl durch das herabstaubende Wasser, aber sauber und frisch. Natürlich kosten wir das Wasser auch. Nach einer halben Stunde entscheiden wir uns für den Rückweg. Dabei laufen uns noch einige Highlights, wie ein Schneefeld, riesige - über 2 Meter hohe - Ameisenhügel und viele abstrakte Baumformen über den Weg.
Am Freitag, 4.7.2008, fahren wir schon morgens auf den zirka 30 km entfernten Gjetsjoen (Hechtsee) um ein wenig zu fischen. Ausser einem mittelgroßen Hecht, der aber im See verbleibt haben wir kein Glück. Wir finden einen kleinen Badestrand der von zahlreichen Einheimischen bevölkert wird. Wir werden nicht so recht glücklich an diesem See, stört aber nicht weiter, da wir mit Dominic, einem weiteren Guide der Villmark Lodge, vereinbart haben, am Frühen Nachmittag bei der Villmark Kennel - Husky Farm vorbeizukommen. Vor ungefähr einem Jahr habe ich einen Bericht über die Schlittenhundetouren der Villmark Lodge gelesen und bin eigentlich deshalb auf diese Region aufmerksam geworden.
Um die 180 Hunde erwarten uns dort mit lautem Gebell. Wir kommen gerade zurecht zur Fütterung. Dominic nähert sich mit einer Scheibtruhe voll gefrohrenen und portionierten Innereien und Gedärmen. Er verteilt die Brocken an die Hunde und je weiter er kommt, desto ruhiger wird es. Wir suchen uns ein paar knuddelige Hunde aus und kuscheln eine Zeit lang herum. Der Begriff Kettenhund ist hier definitv nicht angebracht. Die Haltung ist im ersten Moment vielleicht etwas befremdlich, doch für die Tiere offentsichtlich nicht schädlich. Huskies sind, auch wenn noch so knuddelig, untereinander sehr schroff und so erzählt uns Dominic am Abend, dass kurz nach unserer Abfahrt 2 Hunde eine Rauferei hatten und der eine dem anderen die Lefze 2 cm lang aufge-schlitzt (-bissen) hat. Die Ketten sind so lange, dass die Hunde zu den jeweiligen Nachbarn Kontakt haben können. Und man muss bedenken, dass die Sommer in Skandinavien sehr kurz sind und in den Wintermonaten die Tiere ständig im Gespann (6-16 hunde pro schlitten) unterwegs sind (häufig 1-wöchige Touren durch die Wildnis Norwegens).
In der Praxis kann auch ich mir keine andere Lösung für die Haltung von soooo vielen Huskies vorstellen.
Und wie schon gesagt: die sind alle total verschmust, also keine “Kettenhunde” im negativen Sinne. Ich sag nur ich habe einen Kuss kassiert (mit Zunge), und das nach der Fütterung!! Musste 10 minuten spucken.
Heute, Samstag, 5.7.2008, geht es erneut nach Schweden um uns im Nationalpark die Gegend der Regenkatastrophe am Fluss Gölljån im Jahre 1997 anzusehen. Damals, nach dem wärmsten Sommer seit Mitte des 19. Jahrhunderts mit Rekordtemperaturen, befand sich am 30. August warme und feuchte Luft über Skandinavien. Eine von Westen kommende Kaltfront lag über Fulufjäll fest und gegen Mittag begann es zu regnen.
Die Situation wurde verstärkt durch warme Luftmassen, die die Osthänge hinaufströmten. Ein extremer Gewitterregen sorgte in bestimmten Teilen des Nationalparks für bis zu 400 mm Niederschlag in 24 Stunden. Der dramatischste Gewitterregen, der je in Schweden registriert wurde. Die Wassermassen im Fluß Gölljån schwollen um das 500-fache an und eine 6 Meter hohe Flutwelle schoss durch die Wälder. 10.000 Kubikmeter Holz wurden entwurzelt, zigtausende Kubikmeter Erde, Gestein und sogar Grundgebirge wurden ausgewaschen. Jegliche Vegetation war verschwunden und erst jetzt kehrt das Leben allmählich zurück.
Unterwegs stoßen wir immer wieder auf Markierungen in Form eines roten Kreuzes. Wir erfahren von Marcel, das dies ein Hinweis auf den Kungsleden, den Königspfad, ist. Der berühmte Fernwanderweg, der Anfang des 20ten Jahrhunderts gegründet wurde und der zum Teil auch beim bekannten 110-km-Wanderlauf Fjällräven Classic von Nikkaluokta nach Abisko begangen wird.
Wir kehren müde gegen Abend zurück zur Lodge. Ein letztes Mal gehen wir noch angeln und fahren durch die Wälder auf der Suche nach Elchen. Die vielen kurzen Nächte der letzten Tage haben unsere Kräfte aufgebraucht und so schlafen wir uns am nächsten Morgen erst mal gründlich aus. Das bedeutet im Klartext Tagwache um 10.00 Uhr zum Frühstück, danach Weiterschlafen bis 13.00 Uhr. Am Sonntag Nachmittag wandern wir noch etwas durch die umliegende Gegend und sammeln letzte Eindrücke. Es hat zu regnen begonnen und die Temperatur ist deutlich gesunken. Wir sind trotzdem guter Stimmung, da wir eine aufregende Schönwetterwoche hinter uns haben und ohnehin am kommenden Morgen die Rückreise antreten werden.
Bei erfrischenden 6° Celsius treten wir am Montag die Autofahrt zur Fähre von Oslo nach Kiel an. Es waren tolle Tage hier und ich möchte nicht ausschliessen wieder mal in diese Region zurückzukommen.
Wenn ihr Fragen zu dem Bericht habt könnt ihr mich gerne kontaktieren und wenn euch der Bericht gefallen hat hinterlasst bitte etwas weiter unten einen Kommentar und/oder Eintrag im Gästebuch !!!
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gewaesserkarte_trysil.pdf [Größe 142KB] |
| Gewässerkarte Region Trysil in Norwegen für Angler u. Kanuwanderer |
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Datum: Freitag, 11. Juli 2008 13:25
Themengebiet: Unterwegs in Europa Trackback: Trackback-URL
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