Greifenberg u. Klafferkessel Eintagestour
Das “Herzstück” der Schladminger Tauern, der Klafferkessel, gilt wohl als der landschaftliche Höhepunkt für Wanderer in den Niederen Tauern. Auch der bekannte und beliebte hochalpine Tauernhöhenweg beinhaltet eine Etappe durch den Klafferkessel. Da ich schon seit meiner Kindheit in den 80er Jahren diese Region durchwandere, war es also langsam an der Zeit mich sowohl theoretisch als auch praktisch mit dem Thema Klafferkessel auseinanderzusetzen.
Es gibt verschiedene Varianten durch den Klafferkessel zu wandern. Aufgrund meiner Erfahrungen am Hochgolling 2007 habe ich mich für eine Eintagestour entschieden. Es sei vorweggenommen, dass man dabei etwa 1600 Höhenmeter zu bewältigen hat und auch die Gehzeit von ca. 10 Stunden einiges vom Wanderer abverlangt. Wer also nicht entsprechend konditionsstark ist, sollte am Vorabend entweder zur Gollinghütte oder alternativ zur Preintaler Hütte aufsteigen und dort übernachten.
Nach einer vielversprechenden Wetterprognose für Sonntag, den 3.8.2008, breche ich also an eben diesem um kurz vor 5 Uhr früh beim gebührenpflichtigen Parkplatz Riesachwasserfall im Untertal auf. Es dämmert erst langsam und ich hoffe auf einen blauen Himmel nach Sonnenaufgang. Nach 1,5 Stunden erreiche ich plangemäß die Gollinghütte (1650m). Ich bin gut unterwegs und ziehe daher ohne Aufenthalt an der Hütte vorbei, schwenke nach Osten und beginne mit dem Aufstieg auf den Greifenberg.
In der Zwischenzeit ist es Licht geworden, vom blauen Himmel fehlt allerdings jede Spur. Aus dem Untertal ziehen Nebelschwaden an den Hängen hoch und auch der Blick zeigt das gleiche Bild. Ich bewege mich offenbar in einem Nebelloch.
Eine halbe Stunde lang nieselt es sogar, doch nach Regenwetter sieht es glücklicherweise nicht aus. Nun hoffe ich, dass ich im Laufe der Tour die Wolkendecke durchsteche oder sich die Nebel auflösen. Vor wenigen Tagen erst habe ich eine Postkarte aus dem Jahr 1936 ersteigert. Die Karte zeigt den Hochgolling vom Greifenberg aus aufgenommen. Bei meiner Tour, fast 70 Jahre später verhüllt sich die ebenso majestätische wie wuchtige Golling-Nordwand in Nebel und Wolken.
Es geht konstant steil aufwärts. Der Steig ist an manchen Stellen mit Drahtseilen oder Bügeln gesichert. Ungefähr 2 Stunden und einige hundert Höhenmeter später erreiche ich die über mir hängende Nebelschicht. Es wird feuchter und kühler. Der Weg ist gut markiert und daher auch bei schlechter Sicht gut begehbar.
Um 9.30 Uhr erreiche ich die Greifenbergscharte (ca 2450m) mit dem höchstgelegenen See der Schladminger Tauern. Hier wird allgemein kurz gerastet und gegenseitig erste Gruppenfotos geschossen. Da auch etwas Wind aufgekommen ist fällt die Rast eher kurz aus und es geht an die letzten 200 Höhenmeter. Ausgerechnet auf den letzen Metern zum Gipfel beginnen meine Oberschenkel zu krampfen. Ich denke das Problem liegt an der vom Regen nassen Trekkinghose in Kombination mit der kalten Luft. So massiere ich alle paar Schritte meine Beine und versuche trotzdem in Bewegung zu bleiben um nicht weiter abzukühlen. Wenige Minuten später erreiche ich den Gipfel des Greifenberg (2618m).
Ich bin heute nicht der Erste, aber auch nicht der Letzte. Es herrscht ein Kommen und Gehen. Einzig das Gipfelpanorama lässt zu wünschen übrig. Ich muss mich wohl damit abfinden, dass die Aussage des Meteorologen “viel Sonne und kein Regen” sehr viel Spielraum für Interpretationen lässt.
So mache ich mich nach einer halben Stunde Rast mit “erweitertem Frühstück” wieder an den Abstieg. Im Nebel geht es steil bergab über diverse versicherte Stellen in den Kessel. Nach ca. 300 Höhenmetern flacht der Weg ab und man wandert von einem See zum nächsten.
Der Kessel ist ein Relikt der letzten Eiszeit und wurde von Hans Wödl (1863-1937) erschlossen. An ihn erinnert ein Denkmal des Alpenvereines an der unteren Klafferscharte. Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen vermuten, dass der riesige Karkessel aus mehreren Karen entstand, die Gletscher und Ersion im Lauf der Jahrtausende nivellierten und ausschürften. Heute sehe ich von dem Naturwunder wetterbedingt leider nicht viel. Ich wandere an Moos, Flechten und zahlreichen Schneefeldern vorbei. Große Lust auf ausgedehnte Rast bekomme ich keine.
Schon bald befinde ich mich auf dem Wegstück hinunter zur Preintalerhütte (1656m). Der Pfad windet sich anfangs steil, in vielen Serpentinen, später eher flach gerade verlaufend den Berg abwärts. Dieses Stück habe ich mir im Vorfeld einfacher (kürzer) vorgestellt, und der zunehmende Hunger treibt mich an. um 13.00 Uhr erreiche ich die Hütte und somit auch meinen Kaiserschmarrn. Meine Frau und mein 8jähriger Sohn sind am Vormittag zur Hütte aufgestiegen und so feiern wir bei Erbsensuppe mit Würschtl und Schiwasser unser Wiedersehen.
Um 14.00 Uhr machen wir uns gemeinsam an den Abstieg. Vorbei am wunderschönen Riesachsee, verbunden mit einer Rast bei der urigen Gfölleralm gelange ich über den gemütlichen Forstweg wieder zum Ausgangspunkt der Tour. Wer noch genug Kraft in den Beinen hat kann natürlich auch den Alpinsteig “Höll” wählen. Ich möchte meine Knie schonen und habe den Steig bereits 2007 durchwandert, daher die Entscheidung für den Forstweg.
Um 17.00 Uhr, also 12 Stunden nach dem Beginn der Tour bin ich am Ziel. Mein ehrliches Resumé ist, dass ich das Image des Klafferkessel in direkten Zusammenhang mit Schönwetterbedingungen setzen möchte. Weiters, jetzt spreche ich als Fotograf, muß man unbedingt sehr früh oder eher spät dort oben sein. Erst das richtige Tageslicht bringt entsprechende Eindrücke. Der bekannte Fotograf und Bergführer Herbert Raffalt aus Schladming berichtet zum Beispiel in der Ausgabe 3/2008 der Vereinszeitschrift “Naturfreund” von einer Übernachtung direkt im Kessel.
Wenn ihr Fragen zu dem Bericht habt könnt ihr mich gerne kontaktieren und wenn euch der Bericht gefallen hat hinterlasst bitte etwas weiter unten einen Kommentar und/oder Eintrag im Gästebuch !!!
Datum: Mittwoch, 6. August 2008 19:52
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6 Kommentare
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Donnerstag, 28. August 2008 11:01
Obwohl ich beim Laufen gute Kondi mein Eigen nennen darf, will ich nicht wissen wie früh ich bei so einer Tour zusammenklappen würde
Franz Obendorfer antwortet:
August 28th, 2008 um 22:13
Vielleicht können wir das ja gemeinsam noch heuer herausfinden. Ich werd’ mir was einfallen lassen, ein verlängertes Wochenende im Frühherbst könnte sich nochmal für eine Bergtour anbieten. Ich melde mich bei dir…
Sonntag, 9. November 2008 18:49
Griaß di Franz;
Diese Tour gehe ich auch im Jahr einmal - ist immer wieder ein Erlebnis.
Leider komme ich nicht öfters zum Bergsteigen, da wir in unserem Gasthaus in Rohrmoos Untertal - am Fuße der Klafferkessel immer im Stress sind.
Wäre sehr an einem Linktausch von unserer Bergseite aus interessiert.
Viele Grüße
Peter
HP: Gasthaus Riesachfall
Donnerstag, 8. Januar 2009 6:31
hallo franz, die tour war 2008 die schönste für mich! sehr schöne bilder und bericht. das wetter hätte besser sein können:(
lg michael
Samstag, 11. Juli 2009 17:32
Ein sehr schöner Bericht, auch die Fotos. Leider war die Aussicht wegen des Nebels beeinträchtigt. Wir haben diese Tour zuerst von der Preintaler Hütte und später mehrmals von der Golling Hütte gemacht (Zeitraum von 20 Jahren. Die Wege sind besser angelegt und ausgeschildert worden. Wir hoffen, altersbedingt diese Tour noch einmal machen zu können.
Liebe Grüße aus Nordkirchen (Münsterland)
Erich und Anita.
Sonntag, 16. August 2009 22:13
Hallo Franz!Habe gestern diese Tour mit3 Bekannten unternommen.War genauso wie von dir beschrieben,aber wir hatten auch noch traumhaftes Wetter.Bei einem der Seen machten wir eine lange Rast.Es war wunderschön und auch sehr anstrengend.Empfehlenswert für Leute mit guter Kondition.Liebe Grüsse aus BA Sabine Moser