„Wasser ist Leben …“
… pflegte mein Vater Franz K. Obendorfer († 2019) ein Leben lang zu sagen. Er war über viele Jahres seines Berufslebens Leiter des Wasserwerks der Stadtgemeinde Mistelbach und als solcher auch für die Wasserversorgung der Katastralgemeinden verantwortlich. Ein respektvoller und achtsamer Umgang mit der Ressource Wasser wurde mir demnach schon vom Kindesalter an anerzogen. Übrigens, wie so oft war auch für mich die Vaterfigur prägend was meinen ersten Berufswunsch betraf. Chef wollte ich auch später einmal werden. Und siehe da…
Im Rahmen des regelmäßig stattfindendenden Klimastammtisches im AWS Solutions Hub in Asparn an der Zaya, war am 22. Oktober 2026 DI Florian Deißenberger mit einem Vortrag über die Wassersicherheit und die zukünftige Versorgung im Weinviertel zu Gast. Er ist seines Zeichens ein Experte für landwirtschaftliche Bewässerung und Wassermanagement am Kompetenzzentrum Bewässerung (KoBe) der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal.
Deißenberger zeigte in seiner Präsentation nicht nur die Istsituation sowie erwartbare Szenarien zur Wasserverfügbarkeit im Weinviertel auf, sondern stellte den Besuchern auch Pläne vor, wonach Donauwasser für die Versorgung der Region genutzt werden könnte. Die diesbezüglichen Überlegungen sind grundsätzlich nicht neu. Sie haben wohl aber durch den vergangenen, außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer 2026 an Relevanz gewonnen. Der Wissenschafter wies zudem darauf hin, dass derartige Vorhaben immer enorm lange Vorlaufzeiten haben und brachte entsprechende Vergleiche mit der mehr als hundertjährigen Vorgeschichte des Marchfeldkanals auf den Tisch.
Eine schnelle Google-Recherche zu dem Thema führte mich zu einer Anfrage an den NÖ Landtag aus dem Jahr 2025. Darin wurden zahlreiche Detail-Fragen zu dem Wasserprojekt genannt, über die Auskunft begehrt wurde. Die Antwort von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ist unter selbigem Link abrufbar, darin beruft sie sich jedoch mehr oder weniger nur darauf nicht zuständig zu sein.
Generell kann ich nach der anschließenden Diskussionsrunde des Vortrages folgendes festhalten:
- Das Thema ist umstritten, polarisiert und hat gleichermaßen Befürworter und Gegner.
- Für die Umsetzung eines derart kostspieligen Bauvorhabens bedarf es der Einbindung einer Vielzahl von Interessensgruppen – nicht nur bei der Unterstützung sondern auch als Nutznießer.
- Eine „Donauwasserpipeline“ alleine wird die Wassersituation (der Landwirtschaft im nordöstlichen Weinviertel) nicht ausreichend verbessern. Es bedarf einem Bündel an verschiedenen Maßnahmen (Errosionsschutz, bessere Wassersammlung bei Regen, sparsamerer Umgang,…).
- Über die wahren Kosten(schätzungen) wird nicht gerne gesprochen.
- Für die Industrie besteht ein besonderes Interesse an einer Standortaufwertung durch eine bessere Wasserversorgung – fraglich ob das auch überall im Sinne der Bürger ist (Stichwort „Rechenzentrum“).
- Der Betrieb wäre mit laufendem Energieaufwand verbunden. Gleichzeitig eröffnen sich dabei aber auch Chancen für die Verbindung mit regenerativen Energieerzeugern sowie für die Netzentlastung in Spitzenzeiten.
Für mich war der Abend jedenfalls wieder einmal eine gelungene und sehr informative Veranstaltung von Monika Langthalers und Arnold Schwarzeneggers Solutions Hub. Das Thema war sehr interessant und wurde von Referent DI Deißenberger gut aufbereitet.

